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Nikotinentzug und Rauchentwöhnung
Überblick
Nikotin macht Raucher körperlich und psychisch stark abhängig. Wenn regelmäßige Raucher über eine bestimmte Zeit hinweg auf Nikotin verzichten, kommt es zu sogenannten Nikotin-Entzugserscheinungen. Man spricht dabei auch von einem Nikotinentzug. Nikotin sorgt insbesondere für Veränderungen des Herz-Kreislauf-Systems, es steigert die Verdauung, es hemmt Hunger und Angst, beruhigt und entspannt. Viele Raucher berichten auch von einer Steigerung der Motivation und des Antriebs. Durch ihre Rauchtechnik, die Dauer und die Häufigkeit können Raucher die jeweilige Wirkung verändern oder verstärken.
Bei einem Rauchstopp über wenige Stunden setzen meistens bereits Entzugserscheinungen ein. Das Verlangen zu rauchen wird immer stärker, Betroffene werden unruhig, nervös, reizbar oder aggressiv. Andere leiden unter depressiven Verstimmungen oder Angstgefühlen. Herzfrequenz und Blutdruck sinken, eventuell treten Schlaf- oder Konzentrationsstörungen auf. Bei vielen steigert sich der Appetit, eventuell kommt es zu Heißhungerattacken und sie nehmen langfristig an Gewicht zu. Bei Jugendlichen scheinen Entzugserscheinungen weniger stark auszufallen als bei Erwachsenen. Frauen weisen generell seltener eine körperliche Abhängigkeit auf als Männer.
Diagnose und Behandlung
Zur Diagnose dienen ausführliche Gespräche mit einem Arzt über den Zigarettenkonsum und eventuelle Beschwerden. In vielen Fällen zeigen sich als Folge des Rauchens bereits Raucherhusten oder Lungenveränderungen, verfärbte Finger oder Herz-Kreislauf-Beschwerden. Bluttests, Ultraschalluntersuchungen oder Röntgenaufnahmen des Brustkorbes geben wichtige Hinweise zu möglichen Folgeschäden.
Entzugserscheinungen bleiben nach einem spontanen Rauchstopp je nach Grad der Abhängigkeit wenige Tage bis mehrere Wochen. Durchschnittlich geht man von zwei bis fünf Wochen aus, wenn die Betroffenen die Symptome nicht behandeln. In vielen Fällen bewährt sich stattdessen eine Verhaltenstherapie in einer Gruppe, um sich das Rauchen abzugewöhnen. Hier entwickeln viele auch neue Rituale, um bisherige Zigarettenpausen zu ersetzen, oder individuelle Belohnungssysteme, um sich selbst für den Rauchstopp zu belohnen. Als besonders effektiv gilt Verhaltenstherapie, wenn man sie mit einer medikamentösen Behandlung kombiniert. Seit Sommer 2025 werden Arzneimittel zur Rauchentwöhnung mit den Wirkstoffen Nicotin oder Vareniclin von den gesetzlichen Krankenassen erstattet. Voraussetzung für die Erstattung ist, dass bei Betroffenen eine schwere Tabakabhängigkeit vorliegt und sie an einem evidenzbasierten Programm zur Tabakentwöhnung teilnehmen. Dazu gehören auch entsprechend zertifizierte digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs). Verschiedene Akupunkturtechniken, Entspannungsübungen oder Hypnose können bei der Rauchentwöhnung ebenfalls zum Einsatz kommen. In einzelnen Fällen verschreiben Ärzte bestimmte Medikamente, um beispielsweise depressive Verstimmungen zu mindern.
Ausblick
Die Erfolgschancen sind bei einer Entwöhnungsbehandlung deutlich besser als beim spontanen Rauchstopp ohne Therapie. Bei fortlaufendem Nikotinkonsum steigt dagegen die Wahrscheinlichkeit für Spätfolgen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Raucherbein, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung und verschiedene Krebsarten.
Literatur:
- Alkohol und Tabak, Singer M., Batra A., Mann K., Hrsg. 1. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2011. doi:10.1055/b-002-40812
- Krankheitslehre I care, 2., überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2020. doi:10.1055/b-006-163256
- Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie, Payk T., Brüne M., Hrsg. 7., überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2017. doi:10.1055/b-005-143666
- Gemeinsamer Bundesausschuss G-BA. G-BA definiert Details des neuen Leistungsanspruchs auf Arzneimittel zur Tabakentwöhnung. Pressemitteilung vom 15. Mai 2025. Im Internet: https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen-meldungen/1256/ Stand 08.07.2026