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Medikamente erhöhen Chance auf Rauchabstinenz unterschiedlich stark

Gonzales, D et al., 05. Juli 2006 - Nikotin kann eine ausgeprägte Abhängigkeit erzeugen. Eine Rolle spielen dabei nikotinische Acetylcholin-Rezeptoren (nAChR). Vareniclin ist ein partieller Agonist von nAChR und soll den Rauchstopp und den Erhalt der Rauchabstinenz unterstützen. Relevant sind dabei verschiedene Effekte von Vareniclin: eine Abnahme von Rauchverlangen (Craving) und Entzugssymptomen, aber auch eine geringere Befriedigung beim Rauchen.
K. Oborny/Thieme

Fazit

Mit Vareniclin waren kontinuierliche Abstinenzraten bei Raucher*innen nach 12 Wochen Behandlung und nach weiteren 12 Wochen Beobachtung signifikant höher als mit Placebo oder Bupropion retard. Die Autor*innen sehen bestätigt, dass Vareniclin tatsächlich Belohnungsanreize bei Nikotinabhängigkeit reduziert, da die Zahl der Rauchstopps in den ersten Wochen mit dieser Medikation noch anstieg und weniger Befriedigung beim Rauchen berichtet wurde.

Eine randomisierte dreiarmige Doppelblindstudie von David Gonzales und Kolleg*innen vom Smoking Cessation Center der Universitätsklinik von Oregon in Portland verglich Wirksamkeit und Sicherheit von Vareniclin, Bupropion retard und Placebo zur Unterstützung des Rauchstopps. Die Studie wurde 2003 bis 2005 an 19 Zentren in den USA durchgeführt. Teilnehmen konnten Raucher*innen im Alter von 18 bis 75 Jahren ohne relevante Gesundheitseinschränkungen, die mindestens 10 Zigaretten pro Tag rauchten und im vergangenen Jahr weniger als drei Monate abstinent gewesen waren. Die Rekrutierung der Teilnehmenden erfolgte über Anzeigen in verschiedenen Medien.
Alle 1.025 teilnehmenden Raucher*innen erhielten eine Kurzintervention zum Rauchstopp und erhielten in 3 Studienarmen randomisiert oral:

  • Vareniclin, auftitriert bis zu einer Dosis von 1 mg zweimal täglich (n=352),
  • Bupropion retard, auftitriert bis zu einer Dosis von 150 mg zweimal täglich (n=329) oder
  • Placebo (n=344).

 

Die Einnahme der Studienmedikation erfolgte über 12 Wochen. Anschließend wurden die Teilnehmenden über weitere 40 Wochen nachbeobachtet. Primärer Endpunkt der Studie war eine mindestens 4-wöchige kontinuierliche Rauchabstinenz in Woche 9–12. Der Rauchstopp wurde mit der Messung des exhalierten CO kontrolliert. Wichtige sekundäre Endpunkte waren ein länger anhaltender Rauchstopp von Woche 9 bis Woche 24 und bis Woche 52.

Rauchverlangen, Entzugssymptome und Belohnungseffekte des Rauchens wurden mit den Fragebögen Minnesota Nicotine Withdrawel Scale (MNWS), dem Brief Questionnaire of Smoking Urges (QSU-brief) und dem Modified Cigarette Evaluation Questionnaire (mCEQ) erhoben.

Ergebnisse

Die Abstinenzrate über mindestens vier Wochen betrug in der Vareniclin-Gruppe 44,0% und war damit signifikant höher als in der Placebogruppe mit 17,7% (Odds Ratio [OR] 3,85; 95% Konfidenzintervall [KI] 2,70–5,50; p<0,001) und der Bupropion retard-Gruppe mit 29,5% (OR 1,93; 95% KI 1,40–2,68; p<0,001). Auch der Unterschied zwischen der Bupropion-retard- und der Placebogruppe war signifikant (OR 2,00; 95% KI 1,38–2,89; p<0,001).

Höhere kontinuierliche Abstinenzraten mit Vareniclin ließen sich auch über längere Zeiträume belegen. Die kontinuierlichen Abstinenzraten von Woche 9 bis Woche 24 (12 Wochen nach Behandlungsende) betrugen mit Vareniclin 29,5%, mit Placebo 10,5% (OR 3,68; 95% KI 2,42–5,60; p<0,001) und mit Bupropion retard 20,7% (OR 1,63; 95% KI 1,14–2,33; p=0,007). Die kontinuierlichen Abstinenzraten von Woche 9 bis Woche 52 lagen in der Vareniclin-Gruppe bei 21,9%, in der Placebogruppe bei 8,4% (OR 3,09; 95% KI 1,95–4,91; p<0,001) und in der Bupropion retard-Gruppe bei 16,1% (OR 1,46; 95% KI 0,99–2,17; p=0,057).

Im Vergleich zu Placebo reduzierten Vareniclin und Bupronion signifikant Rauchverlangen und Entzugssymptome. Studienteilnehmer*innen, die weiter rauchten, gaben mit Vareniclin eine geringere Befriedigung beim Rauchen an.

Vareniclin wurde insgesamt gut toleriert, ein Abbruch der Medikation erfolgte nicht häufiger als bei Placebo. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse über alle Gruppen hinweg waren Übelkeit (Vareniclin: 28,1%) und Insomnie (Bupropion retard: 21,9%).