Hiermit bestätige ich, dass ich einen medizinischen oder pharmazeutischen Beruf ausübe [Ärzt*in, Apotheker*in, Pharmazeutisch-technische*r Assistent*in (PTA), Medizinische*r Fachangestellte*r (MFA)].
BadgesPsychologie
Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak
Herausgeber*innen
Michael Bauer, Andreas Meyer-Lindenberg, Falk Kiefer, Alexandra Philipsen
Autor*innen
Anil Batra, Kay Uwe Petersen
Letzte Änderung
15.01.2026
Steckbrief
Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak umfassen nach ICD-11 die Episode von schädlichem Nikotingebrauch, das schädliche Nikotingebrauchsmuster und die Nikotinabhängigkeit sowie isoliert oder zusätzlich die Nikotinintoxikation und den Nikotinentzug. Das Vorliegen kann in einem diagnostischen Gespräch ggf. mit Unterstützung psychologischer Tests abgeklärt werden. Zur Behandlung empfiehlt die Leitlinie unterschiedliche, auf längerfristige Tabakabstinenz abzielende Interventionen, falls eine Tabakabstinenz nicht unassistiert erreicht werden kann. Sie reichen von Kurzinterventionen bis zur intensiven mehrwöchigen, verhaltenstherapeutisch orientierten Einzel- und Gruppenbehandlung. Die Maßnahmen können und sollten bei Vorliegen eines Entzugssyndroms auch medikamentös unterstützt werden.
Aktuelles
- Anfang 2026 erscheint eine aktualisierte Version (3. Auflage) der seit 2014 existierenden AWMF-S3-Leitlinie „Screening, Diagnose und Behandlung des schädlichen und abhängigen Tabakkonsums“. Derzeit (bis Januar 2026) ist die 2. Auflage der Leitlinie ist neben einer Kursversion, Fact sheets für die angesprochenen Zielgruppen sowie einer Foliensammlung auf der Homepage der AWMF verfügbar (www.awmf.org).
- Seit 20.08.2025 ist die ärztliche Verschreibung von Nicotine und Varenicline zu Lasten der GKV möglich, wenn a) eine schwere Tabakabhängigkeit (FTND > 5 Punkte) oder eine tabakassoziierte Erkrankung oder Schwangerschaft vorliegt und eine Abstinenz ohne Hilfsmittel nicht möglich ist. PatientInnen benötigen im Fall einer Verschreibung eine Begleitbehandlung.
Definition
- Psychische und Verhaltensstörungen durch Nikotin sind charakterisiert durch Konsummuster und Konsequenzen des Tabakgebrauchs. Zusätzlich zur Nikotinintoxikation induziert Nikotin eine Abhängigkeit bei einigen Menschen sowie charakteristische Entzugserscheinungen, wenn der Gebrauch reduziert oder beendet wird.
- Ein abhängiger Nikotinkonsum ohne begleitenden Tabakkonsum ist die Ausnahme.
- Tabakgebrauch ist mit einer Vielzahl von Schädigungen assoziiert, die die meisten Organe und Körpersysteme betreffen [5].
Epidemiologie
Häufigkeit
- Etwa 34% der erwachsenen deutschen Bevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren rauchen Tabakprodukte, darunter weit überwiegend Zigaretten. Der Anteil rauchender Personen in der Bevölkerung sank zunächst seit der Jahrtausendwende. Laut der aktuellen DEBRA-Studie (2024) ist der Anteil der Rauchenden unter den 25-Jährigen bei derzeit 37 %, der Anteil der rauchenden 20-24-Jährigen liegt nun bei 25,7%, der Anteil tabakrauchender Jugendlicher sank zuletzt auf 6,2% (https://www.debra-study.info/).
4,0 % der Bevölkerung konsumierten bei der Befragung im August 2025 E-Zigaretten, 0,6% konsumieren aktuell Tabakerhitzer.
Altersgipfel
- Tabakabhängigkeit beginnt im Jugendalter und gipfelt um das 18. bis 25. Lebensjahr. Beachtenswert ist, dass erst ab dem 18. Lebensjahr Tabakprodukte legal konsumiert werden dürfen.
Geschlechtsverteilung
- Tabakabhängigkeit [4]: 7,8% Männer, 5,7% Frauen
- Der Bevölkerungsanteil tabakabhängiger Frauen sinkt stärker als der der Männer.
Prädisponierende Faktoren
- Prädisponierende psychische Faktoren sind komorbide Störungen (Angst, Depression, andere Abhängigkeitserkrankungen) sowie eine erhöhte Risikobereitschaft/Impulsivität sowie ein geringerer Bildungsgrad.
- Gesellschaftliche Rahmenbedingungen (Permissivität der Gesellschaft, Preisgestaltung und Verfügbarkeit) sowie Umgebungsfaktoren (Rauchverhalten der Peer Group) spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle.
Ätiologie und Pathogenese
- Rauchen beginnt meistens als sozialer Akt, in dem Zugehörigkeit zu einer Gruppe und jugendliche Risikobereitschaft demonstriert wird.
- Inhalation von Zigarettenrauch ist zunächst unangenehm, löst bei unerfahrenen Rauchern Husten und zuweilen Schwindel und Übelkeit aus. Wird diese Schwelle überwunden, tritt Gewöhnung gegenüber den aversiven Effekten des Tabakrauchs auf.
- Wird das Rauchen im Experimentierstadium nicht frühzeitig wiedereingestellt, setzt das hohe Abhängigkeitspotenzial des Nikotins ein. Als grundlegende Mechanismen der Abhängigkeitsentwicklung werden angenommen:
- die unmittelbare Verstärkerwirkung durch eine Stimulation nikotinerger Acetylcholinrezeptoren insbesondere vom α4β2-Subtyp auf dopaminergen Neuronen im Bereich des Nucleus accumbens
- die Up-Regulation nikotinerger Acetylcholinrezeptoren durch den partiellen Agonismus des Nikotins an diesem Rezeptor
- Der Rauchvorgang selbst geht mit einer Vielzahl von Prozessen der klassischen Konditionierung einher, mit der ursprünglich neutrale Reize mit dem Rauchverhalten verbunden werden. So führen dann Pausen in Gesellschaft, morgendlicher Kaffeekonsum oder stressreiche Aktivitäten, aber auch Hinweisreize wie Tabakverbotsschilder, Rauchutensilien oder Merkmale aus der Werbung über das Erleben von Tabak-Craving zum Rauchen.
- Operante Konditionierungen (Belohnung durch soziale Verstärker, Reduktion von aversiv erlebten emotionalen Zuständen oder Entzugssymptomen) festigen rauchbezogene Verhaltensgewohnheiten.
Symptomatik
- Tab. 61.1 beschreibt die Symptome der psychischen und Verhaltensstörungen durch Tabak nach ICD-11.
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Eine einzelne Episode von Nikotingebrauch, die die physische oder psychische Gesundheit einer Person geschädigt hat. Die gesundheitliche Schädigung des Individuums geschieht durch eine oder mehrere der folgenden Ursachen: (1) direkte oder sekundäre toxische Effekte auf Organe oder Systeme des Körpers oder (2) eine schädigende Applikationsform. Diese Diagnose sollte nicht gestellt werden, wenn die Schädigung auf ein bekanntes Nikotin-Gebrauchsmuster zurückgeführt werden kann. |
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Ein Nikotin-Gebrauchsmuster, das die physische oder psychische Gesundheit einer Person geschädigt hat. Das Gebrauchsmuster liegt über einen Zeitraum von wenigstens 12 Monaten vor, wenn der Substanzgebrauch episodisch ist (6C4A.10) oder wenigstens 1 Monat, wenn der Gebrauch kontinuierlich (täglich oder fast täglich, 6C4A.11) bzw. unspezifiziert (6C4A.1Z) ist. Die gesundheitliche Schädigung des Individuums geschieht durch eine oder mehrere der folgenden Ursachen: (1) direkte oder sekundäre toxische Effekte auf Organe oder Systeme des Körpers oder (2) eine schädigende Applikationsform. |
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Nikotinabhängigkeit ist eine Störung der Regulation des Nikotingebrauchs, die sich aus wiederholtem oder kontinuierlichem Gebrauch ergibt. Im Vordergrund steht ein starker innerer Antrieb zum Nikotinkonsum, der sich in einer beeinträchtigten Fähigkeit zur Kontrolle des Gebrauchs manifestiert, die Priorität des Nikotingebrauchs wächst gegenüber anderen Aktivitäten und der Gebrauch persistiert trotz Schädigungen oder negativer Konsequenzen. Diese Erfahrungen werden oft von subjektivem Empfinden von Verlangen oder Craving zur Nutzung von Nikotin begleitet. Physiologische Merkmale der Abhängigkeit können ebenfalls präsent sein, wie Toleranz gegenüber der Nikotinwirkung, Entzugssymptome nach dem Konsumstopp oder der Reduktion des Gebrauchs, wiederholter Gebrauch von Nikotin oder pharmakologisch ähnlicher Substanzen, um Entzugssymptome zu lindern oder zu vermeiden. Die Merkmale der Abhängigkeit sind gewöhnlich über wenigstens 12 Monate feststellbar. Es kann unterschieden werden zwischen Nikotinabhängigkeit bei gegenwärtigem Gebrauch (6C4A.20), in früher Vollremission (6C4A.21), in anhaltender Teilremission (6C4A.22), in anhaltender Vollremission (6C4A.23) sowie unspezifiziert (6C4A.2Z). |
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Nikotinintoxikation ist ein klinisch signifikanter vorübergehender Zustand, der während des Nikotinkonsums oder kurz danach entwickelt wird. Er ist charakterisiert durch Störungen im Bewusstsein, der Kognition, der Wahrnehmung, des Affekts, des Verhaltens oder der Koordination. Diese Störungen werden durch die bekannten pharmakologischen Effekte des Nikotins verursacht und ihre Intensität steht in engem Zusammenhang mit der konsumierten Nikotinmenge. Sie sind zeitlich begrenzt und klingen ab, wenn das Nikotin aus dem Körper ausgeschieden ist. Es können Ruhelosigkeit, psychomotorische Agitation, Angst, kalter Schweiß, Kopfschmerzen, Herzklopfen, Parästhesien, Schwindel oder Erbrechen, abdominale Krämpfe, Verwirrtheit, bizarre Träume, Brennen im Mund sowie Speichelfluss auftreten. In seltenen Fällen können paranoide Gedanken, Wahrnehmungsstörungen, Krämpfe oder Koma auftreten. Nikotinintoxikation kommt vor allem bei |
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Nikotinentzug ist ein klinisch signifikantes Cluster von Symptomen, Verhalten und physiologischen Merkmalen, das im Schweregrad und in der Dauer variiert. Es tritt auf nach Beendigung oder Reduktion des Nikotingebrauchs (üblicherweise als Tabak-Inhaltsstoff) bei Individuen, die eine Nikotinabhängigkeit entwickelt oder Nikotin für eine lange Zeit oder in großen Mengen konsumiert haben. Es können dysphorische oder depressive Stimmungen, Irritierbarkeit, Frustration, Ärger, Angst, Konzentrationsschwierigkeiten, Ruhelosigkeit, Bradykardie, erhöhter Appetit, Gewichtszunahme, und Craving nach Konsum von Tabak (oder anderen nikotinhaltigen Produkten) auftreten. Als weitere körperliche Symptome können vermehrter Husten und Geschwüre im Mundbereich vorkommen. |
Diagnostik
Diagnostisches Vorgehen
- Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak lassen sich im anamnestischen Gespräch sowie durch begleitende objektivierende Laboruntersuchungen abklären.
Anamnese
- Im Gegensatz zu vielen anderen Erkrankungen wird der Tabakkonsum gewöhnlich nicht eigenständig im Zusammenhang mit einem Behandlungswunsch thematisiert, und es besteht keine oder nur eine ambivalente Veränderungsbereitschaft. Bei jedem Erstkontakt (bzw. nach längerer Zeit ohne Kontakt) bedarf es daher der gezielten Nachfrage seitens des Arztes: „Rauchen Sie (noch)?“.
- Bei festgestelltem Rauchverhalten kann das Bestehen einer Tabakabhängigkeit durch Erfragen der Symptome festgestellt werden.
- Soll dazu ein standardisierter Fragebogen eingesetzt werden, ist der Fagerström-Test für Zigarettenabhängigkeit (FTND) die erste Wahl [2]. Der ermittelte Wert (Minimum: 0, Maximum: 10) korreliert mit dem zu erwartenden Ausmaß der Entzugsbeschwerden sowie der Abstinenzwahrscheinlichkeit bei einem Rauchstoppversuch.
- Des Weiteren sollte die Veränderungsmotivation erfragt (und ggf. gezielt bestärkt) und das Rauchverhalten der unmittelbaren Bezugspersonen ermittelt werden, und es sollte eine Kurzberatung über das verfügbare Angebot leitliniengerechter Interventionsmaßnahmen durchgeführt werden.
Körperliche Untersuchung
- Eine körperliche Untersuchung zielt auf die Erfassung möglicher tabakassoziierter Folgeerkrankungen – Auskultation der Lunge, Inspektion der Mundhöhle (Rauchermelanose, Parodontitis, Karzinome der Mundschleimhaut) sowie Untersuchung der Haut auf Merkmale vaskulärer Veränderungen. Verfärbungen der Finger sind Folgen eines intensiven Tabakkonsums.
Labor
- Zur Feststellung von Tabak- bzw. Nikotinabstinenz können objektive Testverfahren [3] genutzt werden:
- Die Messung von Kohlenmonoxid in der Ausatemluft (Cutpoint: 5ppm bzw. 10ppm in Regionen mit hoher Luftbelastung) ermöglicht die Unterscheidung zwischen Rauchen und der Einnahme von Nikotinersatzprodukten (NET) bzw. der Nutzung von E-Zigaretten.
- Freies Cotinin kann im Plasma (Cutpoint: 3–10ng/ml) bzw. im Speichel oder Urin (Cutpoint: 30–50ng/ml) festgestellt werden. Cave: Im Internet existieren Anleitungen, wie Cotinin-Tests getäuscht werden können (z.B.: https://de.m.wikihow).
- Die Messung von 4-(Methylnitrosamino)-1-(3-pyridyl)-1-butanol (NNAL) im Urin ermöglicht die Differenzierung von Tabakrauchen und dem Konsum von Nikotin über NET oder E-Zigaretten.
Differenzialdiagnosen
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Es gibt keine relevanten Erkrankungen mit ähnlicher bzw. nahezu identischer Symptomatik.
Therapie
Therapeutisches Vorgehen
- Um Rauchern die gravierenden körperlichen Folgeschäden des Rauchens zu ersparen, ist – unabhängig vom Bestehen einer Nikotinabhängigkeit – Tabakabstinenz dringend zu empfehlen.
- Der unregulierte Markt an Anbietern von Tabakentwöhnung erschwert es Rauchern allerdings, geeignete seriöse und leitliniengerechte Anbieter zu finden. Eine Hilfe zur Identifikation geeigneter psychotherapeutisch orientierter Behandlungsangebote bietet die Anbieterdatenbank des Deutschen Krebsforschungszentrums (www.anbieter-raucherberatung.de).
- Abb. 61.1 fasst das Vorgehen nach der Behandlungsleitlinie zusammen. Empfohlen werden niederschwellige Maßnahmen wie die einfache Kurzberatung, die Ausstiegsberatung durch ein spezialisiertes Telefonberatungsangebot (in Deutschland das Rauchertelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA), onlinebasierte oder mobile, Smartphone-gestützte Beratungs- und Behandlungsangebote, Selbsthilfeliteratur bis hin zur verhaltenstherapeutisch organisierten Einzel- oder Gruppentherapie.
- Medikamentöse Unterstützungen sollen die initiale Phase der Abstinenz unterstützen und stehen als Nikotinersatztherapie zur Substitution und schrittweisen Reduktion der täglichen Nikotindosis sowie in Form von Bupropion (einem Antidepressivem mit der Eigenschaft eines Noradrenalin- und Dopamin-Reuptake-Inhibitors) sowie Vareniclin und seit 2021 auch Cytisin (beide sind partielle Agonisten am α4β2-Nikotinrezeptor) zur Verfügung.
- Seit 20.08.2025 können Nicotine-Produkte (Pflaster, Kaugummi, Mundspray, Tablette, Inhaler) sowie Varenicline (nicht jedoch Cytisin oder Bupropion) zu Lasten der GKV verschrieben werden, wenn eine starke Abhängigkeit besteht (FTND-Wert mind. 6 Punkte) oder trotz einer Schwangerschaft oder einer somatischen tabakassoziierten Erkrankung (Asthma, COPD, Karzinom) eine Abstinenz andernfalls nicht möglich ist und wenn zeitgleich eine andere, psychotherapeutische Unterstützung (von der Zentralen Prüfstelle Prävention anerkanntes Kursangebot oder eine Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA)) genutzt wird.
Praxistipp
Das allgemeine therapeutische Vorgehen, welches Abb. 61.1 zeigt, ist nach behandlungsökonomischen Gesichtspunkten geordnet. Es ist nicht notwendig, vorhergehende Verfahren generell zunächst erfolglos durchlaufen zu haben. In der Beratung sollte ein Verfahren empfohlen werden, das unter Einbezug der Patientenwünsche insbesondere dem Schweregrad der vorliegenden Störung gerecht wird und das die Zahl erfolgloser Versuche nach Möglichkeit minimiert.
Abb. 61.1 Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: therapeutischer Entscheidungsalgorithmus.
Stark gekürzt nach der Behandlungsleitlinie [2]. (A), (B) sind Empfehlungsgrade.
Verlauf und Prognose
- Wie für Suchterkrankungen typisch, ist der Verlauf in der Regel von Rückfällen geprägt. Ein unassistierter Rauchstoppversuch geht mit geringen langfristigen Abstinenzquoten von 3–5% nach einem Jahr einher.
- Eine Kombination aus Psychotherapie und Medikation kann langfristige Erfolgschancen (nach einem Jahr) von 40% aufweisen.
Besonderheiten bei bestimmten Personengruppen
Besonderheiten bei Schwangeren
- Schwangere sollten aufgrund der embryotoxischen Wirkungen des Tabakkonsums eine Tabakabstinenz innerhalb kürzester Zeit anstreben.
- Schwangeren sollten in der Regel keine Medikamente zur Unterstützung des Rauchstopps angeboten werden. In begründeten Ausnahmen können Nikotinersatzprodukte eingesetzt werden.
Besonderheiten bei Kindern und Jugendlichen
- Bei Kindern und Jugendlichen werden außer Nikotinpflastern (nur bei Jugendlichen) bislang keine weiteren Medikamente empfohlen. Psychotherapeutische Maßnahmen sind von begrenzter Wirksamkeit.
- Präventionsmaßnahmen haben in diesem Alter die größte Bedeutung.
Besonderheiten bei alten Patienten
- Da der Tabakkonsum von älteren Menschen oft eine lebenslange und stabile Angewohnheit – wenn nicht gar eine schwere Abhängigkeit – darstellt, sollte Patienten in höherem Lebensalter zu intensiveren Formen der Tabakentwöhnung geraten werden.
Synonyme
- Während ICD-10 und ICD-11 [5] den Begriff der „Störungen durch Nikotingebrauch“ (Disorders due to Use of Nicotine) präferieren, nutzt das DSM-5 den Begriff der „Tabak-bezogenen Störung“ (Tobacco-related Disorder) oder der „Störung durch Tabakgebrauch“ (Tobacco Use Disorder) [1]. Tatsächlich beziehen sich die allermeisten Studien über den Nikotingebrauch auf das Rauchen von Zigaretten, während über das Rauchen von Pfeifen, Shishas, Tabakerhitzern oder den Einsatz von E-Zigaretten nur begrenztes Wissen vorhanden ist – ähnlich wie über den Konsum von Kau- oder Schnupftabak.
- Synonyme sind damit:
- Störungen durch Nikotingebrauch
- Tabak-bezogene Störung
- Störung durch Tabakgebrauch
- Disorders due to Abuse of Nicotine
- Mental and behavioural Disorders due to Use of Tobacco
- Nicotine Use Disorder
- Nicotine-induced organic Mental Disorder
- Nicotine-related Disorder
- Tobacco Use Disorder
Keywords
- Rauchen
- Tabakabhängigkeit
- Zigarettenabhängigkeit
- E-Zigaretten
- Nikotinabhängigkeit
- Nikotinsucht
- Tobacco Use Disorder
- Nicotine Use Disorder
- Smoking Cessation
Literatur
Quellenangaben
- [1] APA (American Psychiatric Association). Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5th ed. Arlington, VA: American Psychiatric Association; 2013
- Suche in: PubMed Google Scholar
[2] Batra A, Petersen KU, Hoffmann S, Kiefer F. Hrsg. S3-Leitlinie Screening, Diagnose und Behandlung des schädlichen und abhängigen Tabakkonsums. Berlin: Springer; 2022 - Suche in: PubMed Google Scholar
[3] Benowitz NL, Bernert JT, Foulds J et al. Biochemical Verification of Tobacco Use and Abstinence: 2019 Update. Nicotine Tob Res 2020; 22: 1086–1097, doi: 10.1093/ntr/ntz132 - Suche in: PubMed Google Scholar
[4] Seitz NN, Lochbühler K, Atzendorf J et al. Trends des Substanzkonsums und substanzbezogener Störungen. Dtsch Arztebl 2019; 116: 585–591 - Suche in: PubMed Google Scholar
[5] WHO (World Health Organization). The 11th Revision of the International Classification of Diseases. ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics; 2020. Im Internet: https://icd.who.int/browse11/l-m/en; Stand: 10.05.2020
Literatur zur weiteren Vertiefung
- Die Dokumente der Behandlungsleitlinie stehen auf der Website der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) zum kostenlosen Download zur Verfügung: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/076–006.html
- Batra A, Bilke-Hentsch O (2022) Praxisbuch Sucht. Thieme, Stuttgart, 3. Auflage.
- Batra A, Kiefer F, Andreas S, Gohlke H, Klein M, Kotz D, Mons U, Mühlig S, Pötschke-Langer M, Preuss UW, Rüter T, Rustler C, Thomasius R, Ulbricht S, Petersen KU (2021) S3-Leitlinie „Rauchen und Tabakabhängigkeit: Screening, Diagnostik und Behandlung” – Kurzversion. SUCHT 67(2) 55-76.
- Batra A, Kunstmann W (2021) Ärztliche Tabakentwöhnung: Wirksamkeit und Potenziale. Dtsch Arztebl 2021; 118(37): A-1635 / B-1356
- Prochaska JJ, Benowitz NL. Current advances in research in treatment and recovery: Nicotine addiction. Sci Adv 2019; 5: eaay9763
Wichtige Internetadressen
- https://www.rauchfrei-info.de/
- https://www.anbieter-raucherberatung.de/
- https://www.debra-study.info/
eRef-Link: https://eref.thieme.de/referenz/referenz_0211
