Hiermit bestätige ich, dass ich einen medizinischen oder pharmazeutischen Beruf ausübe [Ärzt*in, Apotheker*in, Pharmazeutisch-technische*r Assistent*in (PTA), Medizinische*r Fachangestellte*r (MFA)].
BadgesStudien
Rauchstopp medikamentös oder mit Nikotinersatz unterstützen?
Autor*in Studienreferat
Friederike Klein, München
Fazit
In einer Metaanalyse der bis dato publizierten Daten inklusive ihrer eigenen Studie kommen die Autor*innen zu dem Schluss, dass Vareniclin über bis zu 4 Jahre mit einer signifikant größeren Wahrscheinlichkeit für eine Abstinenz gegenüber der NRT einhergeht. Das sollten Leitlinien berücksichtigen, betonen sie.
Das Studienteam um Neil M. Davies von der Medical Research Council Integrative Epidemiology Unit der Universität von Bristol wertete elektronische Patient*innenakten aus 654 Allgemeinarztpraxen in England aus. Die Anwendung einer der beiden Methoden zur Unterstützung eines Rauchstopps identifizierten sie über die Verordnung von Vareniclin oder einer Nikotinersatztherapie (NRT) bei Personen im Alter von über 18 Jahren, die bereits seit mehr als einem Monat in der jeweiligen Allgemeinarztpraxis versorgt wurden. Primärer Endpunkt war eine Rauchabstinenz 2 Jahre nach Erstverordnung von Vareniclin oder NRT. Die Rauchstopp-Raten wurden auch 3, 6 und 9 Monate nach Verordnung sowie nach einem und nach 4 Jahren miteinander verglichen. Außerdem wurde überprüft, ob sozioökonomische Verhältnisse die Abstinenzraten beeinflusst hatten. Zur Analyse verwendeten die Forschenden drei Methoden: multivariable logistische Regression, Propensity Score Matching und instrumentelle Variablenanalyse.
Ergebnisse
70.610 Personen hatten zwischen 1. September 2006 und 30. September 2015 eine Verordnung für Vareniclin, 149.526 eine Verordnung einer NRT erhalten. Nach 2 Jahren hatten 28,8% derjenigen mit Vareniclin- und 24,3% derjenigen mit NRT-Verordnung nach Aktenlage mit dem Rauchen aufgehört. Die um Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht und Zeitpunkt der Verordnung adjustierte Odds Ratio (aOR) lag bei 1,26 zugunsten von Vareniclin (95% Konfidenzintervall [KI] 1,23–1,29; p<0,0001). Die Assoziation einer höheren Abstinenzrate bei Vareniclin-Verordnung im Vergleich zur Abstinenzrate bei NRT-Verordnung war zu jedem Auswertungszeitpunkt vorhanden und blieb bis über 4 Jahre lang bestehen. Eine unterschiedliche Effektivität von Vareniclin je nach sozioökonomischen Verhältnissen fand sich nicht. Allerdings erhielten Personen mit deutlicher sozioökonomischer Deprivation seltener eine Vareniclin-Verordnung als Personen mit besseren sozioökonomischen Lebensbedingungen (aOR 0,91; 95% KI 0,90–0,92; p<0,0001).
In der aktuellen deutschen Leitlinie wird Vareniclin bei der Tabakentwöhnung mit Empfehlungsgrad A, Level of Evidence 1a empfohlen (AWMF-Register Nr. 076-006).